Experteninterview

Seit 2006 ist Jörg Finkbeiner zusammen mit seinem Büropartner Geschäftsführer von Partner und Partner Architekten. Seit 2011 ist er Cradle-to-Cradle-Consultant und gehört damit zu den Pionieren der Cradle-to-Cradle-Idee im Bereich Architektur in Deutschland.

Jörg Finkbeiner


»Das Bauen der Zukunft hat immer mit städtischem Kontext zu tun«


Im Interview für Bauen+ spricht Reinhard Eberl-Pacan mit dem Architekten Jörg Finkbeiner über die Faszination am Baustoff Holz, die Erweiterung der Perspektive durch Cradle to Cradle, die Hintergründe zum Trend »Bauen mit Holz« und die Vorteile des Holzbaus für das Bauen im Bestand, insbesondere mit Blick auf den städtebaulichen Zusammenhang. Darüber hinaus berichtet Jörg Finkbeiner über seine Erfahrungen bei Holzbauprojekten wie den mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design 2021 ausgezeichneten Holzhochhäusern »Woodscraper«.

Bauen+: Jörg, vor deinem Architekturstudium hast du eine Schreinerlehre gemacht. Was hat dich bewogen, danach auf Architektur umzusatteln?

Jörg Finkbeiner: Ehrlich gesagt, ich glaube, ich habe gar nicht umgesattelt, sondern ich wollte schon vorher Architektur machen. Mich hat das Handwerk interessiert. Ich habe gern gebaut und gebastelt. Dann habe ich das Handwerk eher so davor geschoben. Die Perspektive lag für mich immer auf der Hand. Klaus Günther, mein Büropartner, hat zeitgleich eine Zimmererlehre gemacht. Ich habe mich für eine Schreinerlehre entschieden. Das ist zum guten Grundstock unseres Büros geworden.

Vor Beginn meiner Lehre hatte ich ein interessantes Gespräch mit meinem Lehrmeister. Als ich ihn gefragt habe, ob eine Zimmermannslehre nicht besser sei, wenn ich anschließend Architektur studieren wolle, antwortete er, er finde es nicht so wichtig. Er finde es wichtig, dass man Handwerk kann, Handwerk versteht. Aus meiner heutigen Sicht hat er recht gehabt. Ein richtiges Grundverständnis vom Handwerk ist wirklich wichtig.

 

Bauen+: Du kommst aus dem Schwarzwald, einer Gegend, die man automatisch mit Wald und Holz in Verbindung bringt. Wie hat sich das auf dein Engagement für den Holzbau ausgewirkt?

Jörg Finkbeiner: Sicherlich, ich glaube, dass das jeder von uns auch damit direkt verbindet: Wenn ihr aus dem Schwarzwald kommt, dann müsst ihr ja wissen, wie das geht. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass die meisten Architekten nicht mit Holz planen und auch die meisten Bauten im Schwarzwald gerade nicht in Holz gebaut werden. Das ändert sich. Aber das war gerade am Anfang, als wir angefangen haben, ein dickes Brett und wir mussten Überzeugungsarbeit leisten. Wir haben einige Aufträge nicht bekommen, weil wir in der Holzbauecke steckten.

Das ist ein bisschen wie der Prophet, der im eigenen Land nichts gilt. Wir kriegen jetzt zurückgespiegelt, was ihr da in Wolfsburg macht, das ist ja wirklich erstaunlich. Ich sage dann: »Leute, ihr wisst das ja alles, ihr habt alles, ihr habt die Zimmereien, ihr habt das Material, die holzverarbeitende Industrie, ist alles da. Ihr braucht nicht woanders hingucken, sondern ihr habt alles vor der eigenen Haustür.« Aber es ist tatsächlich noch nicht so verortet, wie ich es mir wünschen würde.


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