AKTUELLE AUSGABE

BAUEN+ 3/2024


Energie

Grafik »Struktur zur Kategorisierung von Akteursgruppen«
© KIT

 

Andreas Enseling, Thomas Lützkendorf, Matthias Buchholz

Mehr Transparenz und neue Ansätze in der Wirtschaftlichkeitsrechnung

Methodenauswahl, Unsicherheit und Umgang mit Schattenpreisen


Maßnahmen zur Reduzierung des Wärmebedarfs bei Gebäuden werden auch in Zukunft einen Beitrag zur Minderung von Treibhausgasemissionen leisten müssen. Bei der Formulierung von gesetzlichen Standards und bei individuellen Konzepten spielen Fragen der Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Eine mit Mitteln von ZUKUNFT BAU geförderte Methodenkonvention geht auf geeignete Vorgehensweisen der Wirtschaftlichkeitsrechnung ein und will mehr Transparenz bei den Bewertungsergebnissen schaffen.


KERNAUSSAGEN

  • Bei der Feststellung der Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen zur nachträglichen Verbesserung der energetischen Qualität von Gebäuden müssen der finanzielle Aufwand und der Nutzen aus der Perspektive der Entscheider heraus erfasst und für die Bewertung passende Methoden gewählt werden.
  • Die Ergebnisse sind inklusive der Angabe von Annahmen und Randbedingungen so zu dokumentieren, dass sie vergleichbar und nachvollziehbar werden.
  • Schattenpreise als kalkulatorische Größe sowie zusätzlich der monetäre oder nicht monetäre Zusatznutzen können in die Betrachtung einfließen.
  • Den zunehmenden Unsicherheiten und Bandbreiten bei Eingangsgrößen ist durch zentral vorgegebene Rechenwerte und die Untersuchung von Szenarien zu begegnen.
  • Im Zuge der Weiterentwicklung des GEG sollte das Wirtschaftlichkeitsgebot neu gefasst werden.

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Plessner: Flussdiagramm »Integration des Technischen Monitorings (TMon) in das Projektteam«
© siz energieplus

 

Stefan Plesser, Franziska Bockelmann, Martin Becker, Valeria Ehlers

Technisches Monitoring – (R)Evolution der Qualitätssicherung im TGA-Bereich

Erläuterungen zu den Ursprüngen, Zielen und Umsetzungsstrategien des Technischen Monitorings


Technisches Monitoring (TMon) fand anfänglich nur im Rahmen von wissenschaftlichen Projekten statt. Dabei bewerten zahlreiche Projekte und Studien das TMon als essenziell zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele von Gebäuden. Durch die Einführung der AMEV-Empfehlung zum TMon (2017) entstand ein klar definiertes Leistungsbild, das ein TMon nun auch in der Breite anwendbar gemacht hat. Nach mehr als sechs Jahren in der Anwendung stellt sich die Frage, wie die Leistungen ausgeschrieben und erbracht werden und welchen Nutzen das TMon bringt.


KERNAUSSAGEN

  • Mit TMon bekommen Bauherren und Investoren eine verlässliche Methodik zur Qualitätssicherung in ihren Bauprojekten zur Hand.
  • AMEV Empfehlung 158 (2020) definiert ein klares praxistaugliches Leistungsbild für TMon in Deutschland.
  • Fachkräftemangel und zunehmende Komplexität der technischen Gewerke führen zu Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung in der Breite.

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Brandschutz

Beispiel für einen Brand von Solarmodulen

 

Edith Antonatus

Bewertung der Brandrisiken von Dächern mit PV-Anlagen

Forschungsergebnisse, Vorschriften und der Weg zu einer risikobasierten Betrachtung


Immer mehr Solaranlagen werden auf Dächern installiert. Besonders bei großflächigen Industriedächern, auf denen große und leistungsfähige Solaranlagen gebaut werden können, müssen die Brandrisiken bewertet werden, um sicherzustellen, dass im Falle eines Brands die Sicherheit von Menschen gewährleistet ist und der Sachschaden begrenzt bleibt. Bisher gibt es in Deutschland und in Europa keine einheitlichen Regeln, wie die Brandsicherheit der Kombination von Dächern mit darüber montierten PV-Elementen zu prüfen und zu bewerten ist.

Die Informationen über die bisher bekannten großen Brände auf solchen Dächern sind lückenhaft und oft nicht aussagekräftig. Forschungsinstitute in verschiedenen Ländern und Sachversicherer haben dieses Thema aufgegriffen. Die verschiedenen EU-Mitgliedsländer haben begonnen, Prüfverfahren und Vorschriften zu entwickeln und einzuführen.

Sachversicherer und Gesetzgeber aus den USA haben bereits Zulassungsprüfungen entwickelt. Eine Literaturstudie zum Thema »Brandschutztechnische Risiken von Flachdächern mit PV Aufdachelementen« gibt einen Überblick über bisher vorliegende Analysen von Bränden, den Stand der internationalen Forschung und über Prüf- und Zulassungsverfahren, die in verschiedenen Ländern eingeführt wurden bzw. derzeit entwickelt werden. Perspektiven für eine mögliche weitere Vorgehensweise in Deutschland werden aufgezeigt.


KERNAUSSAGEN

  • Informationen und Statistiken zu Bränden mit PV-Modulen auf Bedachungen sind lückenhaft und oft nicht aussagekräftig.
  • Brandrisiken durch das Zusammenwirken von PV-Modulen und darunterliegenden Flachdächern erfordern eine komplexe Betrachtung.
  • Neue Forschungsergebnisse liegen vor und Normen, Leitlinien sowie gesetzliche Vorschriften werden in vielen EU Mitgliedsländern entwickelt.
  • Versicherer veröffentlichen eigene Vorschriften und Regeln.
  • Eine Literaturstudie gibt einen Überblick über die aktuelle Situation.

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Bauakustik

Vorbau zum Schallimmissionsschutz an einem Gebäude mit Wohn- und gastronomischer Nutzung
© B. Gigla

 

Birger Gigla

Experimentierklausel zur TA Lärm

Mögliche Auswirkungen auf den Schallimmissionsschutz


Zur Wohnraumförderung wird auf politischer Ebene aktuell die Einführung einer Experimentierklausel in die TA Lärm diskutiert, mit dem Ziel, ein stärkeres Heranrücken von Wohnbebauung an gewerbliche Nutzungen zu ermöglichen. Ein entsprechender Antrag des Senats der Hansestadt Hamburg an den Bundesrat wurde zuletzt durch die Bauministerkonferenz unterstützt. Der folgende Beitrag berichtet über die bislang bekannten Vorschläge zur Experimentierklausel und die möglichen Auswirkungen auf den Schallimmissionsschutz.


KERNAUSSAGEN

  • Die Trennung von Gewerbe- und Wohngebieten ist bislang für Wohnnutzungen eine große Qualität der städtebaulichen Planung in Deutschland.
  • Zur Wohnraumförderung im Wege der Innenentwicklung in Städten wird aktuell politisch gefordert, eine Experimentierklausel in die Technische Anleitung Lärm (TA Lärm) zu implementieren.
  • Die Experimentierklausel soll explizit erlauben, auch besondere passive Lärmschutzmaßnahmen zum Einsatz zu bringen, z.B. »Hamburger Fenster«.
  • Die Experimentierklausel wird in der Diskussion unterschiedlich ausgelegt, die Beschränkungen der 95. Umweltministerkonferenz zum Anwendungsbereich sind zu beachten.

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Gebäudetechnik

Werkhalle Erden mit Gebäudehülle aus Stampflehmelementen und Holzschalung des OG
© Lehm Ton Erde Baukunst GmbH

 

Marc Wilhelm Lennartz

Neues hybrides Bauen mit Holz und Lehm

Lehm – Ton – Erde


Für das serielle Bauen mit Stampflehm ist in Österreich die weltweit erste stationäre Produktionsstraße errichtet worden. Deren Betriebsstätte verbindet die Qualitäten der beiden ältesten Baustoffe der Menschheitsgeschichte: Holz und Lehm. Das neue hybride Bauen mit Holz und Lehm ermöglicht die Zusammenfügung von lokalen Materialien zu Wohn- und Objektbauten, die das naturnahe und ökologische Bauen auf ein industrielles Level heben und zugleich die Maßstäbe der Nachhaltigkeit im Bauwesen neu definieren.


KERNAUSSAGEN

  • Dem Bauen mit ubiquitär zur Verfügung stehenden lokalen Erden gehört die Zukunft.
  • Die Jahrtausende währende Verbindung der Naturbaustoffe Holz und Stampflehm ist dank heutiger Möglichkeiten nahezu allerorten einsetzbar.
  • Das Cradle-to-Cradle-Prinzip erreicht dabei fast 100 Prozent.

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Nachhaltigkeit

Grafik »Marktanteile nachwachsender Dämmmaterialien in Deutschland 2019«

 

Elke Widmann

Systemische Nachhaltigkeitsanalyse von Faserdämmstoffen

Holzspan schlägt Mineralfaser


Nachhaltigkeit – ein scheinbar allgegenwärtiger Begriff, gerade im Bereich der Baubranche. Doch wie lässt sich Nachhaltigkeit quantifizieren? Und welche Indikatoren müssen berücksichtigt werden? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurde eine systemische Nachhaltigkeitsanalyse anhand exemplarischer Faserdämmstoffe entwickelt. Ziel war es, die Komplexität einer multifaktoriellen Bewertung aufzuzeigen und eine leicht anwendbare Methodik zur Taxierung materieller Optima zu entwickeln.


KERNAUSSAGEN

  • Die Materialwahl im Gebäudesektor wird oftmals von Einzelfaktoren wie der Kosteneffizienz des Produkts bestimmt.
  • Der Marktanteil nachwachsender Dämmstoffe (NawaRo) in Deutschland wächst – nichtsdestotrotz werden weiterhin über 90% der Dämmstoffe aus fossilen oder mineralischen Rohstoffen gewonnen.
  • Eine multifaktorielle Nachhaltigkeitsbewertung von Einblasdämmstoffen zeigt die Überlegenheit von NawaRo-Materialien gegenüber konventionellen Produkten.

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Kindertagesstätte in Holzmodulbauweise, Hamburg-Sinstorf
© Hannes Heitmüller, Entwurf: Herr & Schnell Architekten

 

Louis Lechner

Projektentwicklung einer Kita in Holzmodulbauweise

Analyse der Investitionen unter immobilienwirtschaftlichen Aspekten


Der steigende Bedarf an Betreuungsplätzen, insbesondere in Ballungszentren wie München, erfordert den Ausbau neuer Kindertageseinrichtungen. Im Rahmen einer Analyse der Investitionen wurde die Holzmodulbauweise als nachhaltige Lösung mit kürzeren Bauzeiten und optimalen Baubedingungen identifiziert. Das Projektbeispiel zeigt, wie eine Kindertagesstätte in München erweitert werden kann. Die Modulbauweise ermöglichte dabei bei laufendem Betrieb eine kurze Bauzeit und eine minimierte Schmutz- und Lärmbelastung vor Ort.


KERNAUSSAGEN

  • Kindertagesstätten werden als nachhaltige und sichere Anlage mit messbarem gesellschaftlichem Mehrwert bewertet.
  • 62.000 Betreuungsplätze werden in Bayern in den nächsten Jahren geschaffen werden müssen.

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Experteninterview: Prof. Dr. Gunnar Grün
© Fraunhofer IBP

 

Experteninterview

»Wir bündeln als Fraunhofer-Allianz Bau eine Vielzahl von Kompetenzen, die dazu beitragen, dass die Bauindustrie nachhaltiger wird«

Professor Gunnar Grün, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Bau im Gespräch mit Bauen+


Prof. Dr. Gunnar Grün ist seit April 2022 Sprecher der Fraunhofer-Allianz Bau, zu der vierzehn Institute der Fraunhofer-­Gesellschaft gehören. Im Gespräch mit der Bauen+ spricht er über aktuelle Forschungsprojekte, was die Allianz zur nachhal­tigeren Gestaltung der Bauindustrie beiträgt und welche Chancen sich der Branche bieten. Die Bauen+ als Publikation des Fraunhofer IRB – selbst Mitglied der Allianz – wird diese Themen kontinuierlich begleiten.

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