Schematischer Aufbau des Trocknungsmoduls: Der Heizdraht ist in unbrennbare Mineralwolle eingebettet. Der entstehende Wasserdampf kann durch das diffussionsoffene Material nach außen entweichen. (© Fraunhofer)
Der Aufbau des Trocknungsmoduls: Der Heizdraht ist in unbrennbare Mineralwolle eingebettet. Der entstehende Wasserdampf kann durch das diffussionsoffene Material nach außen entweichen. (© Fraunhofer)
  • 09.07.2024

Drei Fragen zu FastDry Technologies™

Interview mit Hartwig Künzel und Andreas Zegowitz

Starkregen, Hochwasser oder auch ein Rohrbruch – Gründe für nasse Wände gibt es viele. Vor kurzem sorgte Starkregen in Süddeutschland für Hochwasser in einigen Regionen. Das Thema ist aktueller denn je. Viele Gebäude sind dann von feuchten Wänden betroffen. Eine Lösung zur schnellen und effizienten Trocknung bietet die von Forschenden des Fraunhofer IBP entwickelte FastDry Technologie.


1. Welche Gefahr stellen unbehandelte durchnässte Wände dar und wie kann die Fast-Dry-Technologie helfen?

Oberflächen, die längere Zeit feucht bleiben, sind ein idealer Nährboden für Mikroorganismen wie Schimmelpilze oder Bakterien. Das ist ein Grund für das gehäufte Auftreten von Atemwegserkrankungen in feuchten Gebäuden. Wasser in den Wänden kann Metallkorrosion und die Schädigung von feuchteempfindlichen Materialien zur Folge haben. Außerdem reduziert es die Wärmedämmwirkung der Wand, sodass zum Heizen mehr Energie notwendig ist. FastDry kann dabei helfen, die Wände rasch und energieeffizient zu trocknen.


2. Wie genau funktioniert die Technologie – auch im Hinblick auf Transport und Aufbau der Module – und was ist der Unterschied zu herkömmlichen Methoden aus technischer Sicht?

Die FastDry-Technologie basiert auf der temperaturgeregelten Aufheizung der Wand durch elektrische Heizdrähte. Damit die auf die Wandoberfläche einwirkende Wärme in erster Linie zur Austrocknung des enthaltenen Wassers dient und nicht gleich wieder an den Raum abgegeben wird, sind die Heizdrähte raumseitig durch eine Wärmedämmschicht geschützt. Diese Dämmschicht muss diffusionsoffen, d.h. sehr dampfdurchlässig, sein, sodass die Feuchte aus der Wand in den Raum hinein entweichen kann.

Das eigentlich Neue bei FastDry ist die Energieeinsparung durch die Wärmedämmung zwischen der beheizten Wandoberfläche und dem Raum. Im Vergleich zu herkömmlichen Infrarotheizplatten kann dadurch bis zu 80% Energie bei gleicher Trocknungsgeschwindigkeit eingespart werden. Außerdem können bei einer vorgegebenen elektrischen Anschlussleistung größere Flächen gleichzeitig getrocknet werden.

Durch Temperatursensoren im FastDry-Modul, das direkt gegen die zu trocknende Wand gestellt wird, kann die Wandoberflächentemperatur gemessen und die Leistung so geregelt werden, dass die Oberflächentemperatur den Sollwert einhält. Dadurch wird gewährleistet, dass es nicht zu einer Überhitzung von trockenen Wandbereichen kommt, denn zu hohe Temperaturen können elektrische Leitungen oder andere Einbauten in der Wand beschädigen.

Im Vergleich zu Kondensations- oder Absorptionstrocknern trocknet FastDry Wände deutlich schneller, und das ohne Geräuschentwicklung durch Gebläse oder Kompressoren. Raumlufttrocknungsgeräte erfordern zwar meist einen geringeren Installationsaufwand, schneiden aber im Vergleich zur FastDry-Technologie und zu Infrarotheizplatten in ihrer Trocknungswirkung schlechter ab.


3. Welche weiteren Entwicklungsschritte sind geplant?

Bisher gibt es nur starre Module, die direkt an die zu trocknende Wand gestellt werden. Die FastDry-Technologie soll in Zukunft aber auch als flexible Flächensysteme zum Einsatz kommen, die ähnlich wie eine Bettdecke an die Wand gehängt, auf den Boden gelegt oder in einen Eckbereich drapiert werden können. Solche temperaturgeregelten »Heizdecken« könnten dann auch zur schonenden und energieeffizienten Trocknung von Möbeln und anderen empfindlichen Gegenständen verwendet werden. Durch ein kurzzeitiges Hochheizen wäre es auch möglich, verkeimte Oberflächen zu desinfizieren.

Außerdem soll ein bereits existierender Prototyp weiterentwickelt werden, der in der Lage ist, den Dampf, der bisher vom Modul an die Raumluft abgegeben wird, auf der Rückseite aufzufangen. Diese Feuchte wird anschließend entweder durch gezieltes Spülen mit Luft abgeführt oder als Kondensat abgeleitet. Dadurch wird der Raum nicht zusätzliche mit Feuchte belastet. Im Fall von unerwünschten Stoffen in der nassen Wand würden diese bei der Trocknung ebenfalls daran gehindert, in den Raum zu gelangen.

Der innovative Ansatz der FastDry-Technologie, die technische Trocknung nach Wasserschäden energieeffizienter und besser regelbar zu gestalten, sollte in Zukunft auch auf andere Trocknungsverfahren, wie z.B. die Unterestrichtrocknung, übertragen werden. Mehr Informationen zum Status quo und zu möglichen Verbesserungen in der Trocknungstechnik finden Sie im Whitepaper »Neue effiziente Trocknungsmethoden«.


Weitere Informationen

 

Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
Nobelstr. 12
70569 Stuttgart
Telefon: 0711 970-00
Internet: www.ibp.fraunhofer.de

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