Der frisch wiedergewählte Vorstandsvorsitzende der GEV, Stefan Neuberger, anlässlich der 25-Jahr-Feier: »Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in punkto Emissionen von Emicode-Produkten schon lange abgedeckt wird. Die meisten Aspekte der Nachhaltigkeit können jedoch erst auf Gebäudeebene bewertet werden. Ein Bauprodukt, das wenig Energie und wenig Rohstoffe verbraucht, dafür aber schon nach Kurzem ersetzt werden muss, ist wenig nachhaltig.« (Foto: GEV)
  • 20.06.2022

25 Jahre GEV

Die Entwicklung des Emicode als Zeichen der Nachhaltigkeit

Am 1. und 2. Juni 2022 feierte die GEV das 25-jährige Bestehen des von ihr initiierten Emicode im Rahmen einer Mitgliederversammlung der Gemeinschaft. Emicode ist heute das führende Umweltzeichen zur Produktklassifizierung für emissionsarme Verlegewerkstoffe und Bauprodukte. Grund genug, auf die Historie der GEV kurz zurückzublicken.


Bis 1997 kannte der Markt für Verlegewerkstoffe keine einheitlichen Prüf- und Messverfahren für die Emissionen bei Baustoffen. Hersteller präsentierten ihre eigenen, nach unterschiedlichsten Kriterien ermittelten Werte. Verbraucher und Verarbeiter hatten kaum eine Möglichkeit, die Produkte zu vergleichen oder zu bewerten. Um hier eine verlässliche Orientierung zu schaffen, gründete sich am 24. Februar 1997 in Frankfurt am Main die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, kurz GEV.

In einem ersten Schritt entwarfen die neun Gründungsunternehmen Henkel, Ardex, Bostik, Forbo, Kiesel, Schönox, Uzin, Wakol und Ato Findley die Idee eines wettbewerbsneutralen Prüf- und Kennzeichnungssystems für ihre Produkte. Der Emicode war geboren. Ein Jahr später hatten sich fünf weitere Unternehmen der Initiative angeschlossen. Sechs Unternehmen förderten die GEV.

Schon 1999 zeigten sich erste Erfolge. Lag der Gesamtanteil an Emissionen aus marktüblichen Dispersionsklebstoffen vor 1997 bei rund 10.000 µg/m3 (10-Tagewert), dürfen TVOC-Emissionen von zertifizierten Klebstoffen nach Emicode EC 1 (sehr emissionsarm) 500 µg/m3 nicht überschreiten. So verzeichneten Handel und Industrie nach Einführung der Emicode-Kriterien einen deutlichen Rückgang an Reklamationen. Dies führte zu Beginn der 2000er-Jahre zu neuen Produktentwicklungen. Emicode-EC-1-geprüfte SMP-Klebstoffe dominieren bis heute den Markt.

Im Jahr 2002 erkannte das Umweltbundesamt die wissenschaftliche Relevanz der Arbeit der GEV und förderte die Einrichtung einer Produktdatenbank, die in den heutigen »Produktfinder« mündete. Dort sind mittlerweile 11.000 Produkte gelistet, die das Umweltsiegel tragen. Schon 2004 repräsentierten die zertifizierten Produkte – von Klebstoffen über Vorstriche und Spachtelmassen bis hin zu Verlegeunterlagen – bereits 90% des Marktes.

Mit dem zehnjährigen Bestehen der GEV gingen einschneidende Veränderungen einher. Um den Forderungen des Marktes gerecht zu werden, benannte sich die Gemeinschaft 2007 um. Der Name wurde um die Produktgruppen Klebstoffe und Bauprodukte erweitert. Mittlerweile beteiligten sich 28 deutsche und 13 internationale Hersteller an der GEV. Dieses Jubiläum war auch geprägt durch den Erfolg des Umweltzeichens im europäischen Ausland. Nach rund zehn Jahren Arbeit besaßen mehr als 95% aller Teppichklebstoffe das EC-1-Siegel.

Das Bemühen um umweltfreundliche Stoffe im Baubereich ging auch in den kommenden Jahren unvermindert weiter. 2009 konnten sich Parkettlacke mit maximal 8% Lösemittel für den Emicode qualifizieren. Lacke mit höchstens 5% Lösemittel erhielten ab 2011 das ein Jahr zuvor neu eingeführte Siegel EC 1Plus. In 2011 zählte die GEV 45 nationale und 33 internationale Unternehmen zu ihren Mitgliedern.

Mittlerweile waren über 3.000 Produkte zertifiziert. Zwischen 2007 und 2016 stieg die Zahl der Unternehmen, die den Emicode einsetzen, auf nahezu das Dreifache. Diese sehr gute Entwicklung feierte die GEV zu ihrem 20-jährigen Bestehen im Rahmen einer internationalen Konferenz in Düsseldorf.

Einen weiteren Erfolg meldete die GEV im Jahr 2020. Waren in Deutschland im Jahr 2000 noch 25% aller Bauklebstoffe lösemittelhaltig, sind es im Jahr 2020 noch 0,4%. Allein in Deutschland wurden von 1997 bis 2020 etwa 475 Mio. m2 textile und elastische Bodenbeläge mit EC-1-zertifizierten Grundierungen, Spachtelmassen und Klebstoffen verlegt. Kein Wunder daher, dass die Neuanträge für Produktlizenzierungen stetig gestiegen sind. In 2021 verzeichnete die Gemeinschaft mit 1.547 Anträgen einen neuen Höchststand.

2022 feiert die GEV nun ihr 25-jähriges Bestehen. Das zentrale Thema der Festveranstaltung heißt Nachhaltigkeit. Dazu Stephan Neuberger, Vorstandsvorsitzender der GEV: »Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in punkto Emissionen von Emicode-Produkten schon lange abgedeckt wird. Die Herausforderung besteht heute darin zu unterscheiden, was auf der Ebene der Produktverbesserung Weiteres geleistet werden kann. Die meisten Aspekte der Nachhaltigkeit können jedoch erst auf Gebäudeebene bewertet werden. Ein Bauprodukt, das wenig Energie und wenig Rohstoffe verbraucht, dafür aber schon nach Kurzem ersetzt werden muss, ist wenig nachhaltig.«

Klaus Winkels, Geschäftsführer der GEV ergänzt: »Es ist immer wieder eine Herausforderung, bei neuen Produkten zu eruieren, welche Anforderungen gestellt werden können, ohne dass die Qualität oder Funktionalität leidet. Die Emissionsanforderungen der GEV gehen weit über das gesetzlich Geforderte hinaus. Dabei ist immer zu bedenken, dass keine Anforderungen gestellt werden, die ein Produkt in der Anwendung zur schlechteren Alternative machen, denn das wäre alles andere als nachhaltig.«

In unterschiedlichsten Vorträgen und Workshops nehmen namhafte Referenten im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung Bezug auf das Thema und skizzieren die Herausforderungen der kommenden Jahre. Neben »nachhaltigem Bauen«, der »EU-Bauprodukteverordnung« oder »Gebäudezertifizierung nach LEED« stehen auch Headlines wie »Kreislaufwirtschaft« oder »Produktkennzeichnung« auf dem Programm.

Als Teilnehmer eingeladen sind die mittlerweile 85 Mitgliedsunternehmen in Deutschland sowie 89 internationale Unternehmen, die bei der GEV eine Mitgliedschaft unterhalten.

 

Klaus Winkels, seit 1997 Geschäftsführer der in Düsseldorf ansässigen GEV, betont, dass die Emissionsanforderungen der GEV weit über das gesetzlich Geforderte hinausgehen. Dabei sei immer zu bedenken, dass keine Anforderungen gestellt würden, die ein Produkt in der Anwendung zur schlechteren Alternative machten, denn das wäre alles andere als nachhaltig. (Foto: GEV)

 

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