BAUEN+ 2/2019

Energetische Sanierung

An jede Klassenwohnung grenzt ein intimer Außenbereich, der Garderobe und Gruppenraum ergänzt. (Bild: Wüstenrot, Schwarz)

Achim Pilz


Viel Frischluft für Klassenwohnungen

Hochwertige Schularchitektur energetisch modernisiert


Das Mädchengymnasium in Lünen wurde in den 1950er-Jahren von Hans Scharoun gebaut. Schon damals war ein Fokus die autarke Versorgung der Räume nicht nur mit Wärme, sondern auch mit ausreichend frischer Luft. Dieses zwischenzeitig aufgegebene Luftheizungskonzept wurde im Zuge der denkmalgerechten Sanierung wiederhergestellt. Das bemerkenswerte technikgeschichtliche Dokument ist heute mithilfe neuester Technik primärenergetisch optimiert.

Hans Scharoun war einer der einflussreichen deutschen Architekten. Er, Walter Gropius und andere bildeten in den 1920er-Jahren die »Gläserne Kette«, die Architektur revolutionieren wollte. Gropius baute das Bauhaus-Gebäude in Dessau und war später auch in Amerika erfolgreich. Hans Scharoun konzentrierte sich darauf, eine sinnstiftende Architektur »organhaft« zu bauten. Das hieß für ihn u.a., die Mittel für die sinnliche Umsetzung im Laufe des Entwurfsprozesses zu entwickeln. Durch die golden glitzernde Berliner Philharmonie mit ihrer hervorragenden Akustik wurde er berühmt. Seine beiden realisierten Schulbauten in Lünen und Marl sind ebenso intensiv entwickelte, sinnliche Gestaltungen.

Das Mädchengymnasium in Lünen, heute Teil der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, bietet nicht nur dem Auge viel, sondern auch den anderen Sinnen: mit Milchbar, Trinkbrunnen, Aula zum Musizieren und nicht zuletzt viel frischer Luft durch eine innovative Luftheizungsanlage. Zudem erhielt jede Klasse einen eigenen Freiluftbereich – einen Hof, ein Atrium oder eine Terrasse. Die verschiedenen Altersgruppen sind in drei unterschiedlichen, jeweils angepasst entworfenen »Klassenwohnungen« untergebracht. Gemeinsam ist den Klassenwohnungen, dass sie drei Zonen besitzen, die in dynamischen Formen arrangiert sind – es gibt kaum einen rechten Winkel. Wichtiger noch ist ihre Ausrichtung auf das natürliche Sonnenlicht.

Auch die Aula und die übrigen Fachunterrichtsräume sind räumlich differenzierte Einheiten, die ineinandergreifen. Gemeinsam mit der alles verbindenden, großzügigen Pausenhalle bilden sie eine Schullandschaft, deren Ziel die Schulgemeinschaft ist.

Weil die Schule ein herausragendes Kulturdenkmal ist, wurde eine Instandsetzung und Modernisierung von der Wüstenrot-Stiftung im Rahmen ihres Denkmalprogramms initiiert und konzipiert. Die Voruntersuchungen begannen 2007. Im Jahr 2013 waren die drei Bauabschnitte der Instandsetzung und Modernisierung abgeschlossen. Bauherren sind die Stiftung und die Stadt Lünen. Insgesamt 8 Mio. € finanzieren die Stadt, das Land Nordrhein- Westfalen, die Stiftung sowie der Bund im Rahmen des Investitionspakts zur energetischen Erneuerung sozialer Infrastruktur.

Der verantwortliche Architekt Oskar Spital-Frenking aus Lüdinghausen ist von der Schule begeistert: »Besonders viel Freude macht der Scharounbau, weil er eine dermaßen spannungsreiche Architektur anbietet mit extrem menschlichen Innenräumen. Es sind einfach klasse Räume.«

Den ganzen Beitrag können Sie in der März-Ausgabe der Bauen+ lesen.  
Informationen zur Einzelheft- und Abo-Bestellung

Diesen Beitrag finden Sie auch zum Download im Heftarchiv.

 

NEWSLETTER

Der Newsletter für Energie, Brandschutz, Bauakustik und Gebäudetechnik informiert Sie alle zwei Wochen über branchenspezifische Nachrichten und Entwicklungen.

zur Newsletter-Anmeldung

Zurück zum Seitenanfang