BAUEN+ 2/2019

Badabdichtung

Feuchteschaden an der Gipskartonwand durch aufsteigende/eindringende Feuchte

Kai Rautenberg


Abdichtung in Bädern


Im Wohnungsbau wird derzeit viel mit Baustoffen gearbeitet, die als feuchtigkeitsempfindlich einzustufen sind. Gipsdielen oder Gipskartonwände sind mittlerweile im Wohnungsbau etabliert. Umso wichtiger ist es, dass bei Bädern die Abdichtung und damit der Feuchteschutz dieser Baustoffe gewährleistet ist.

Derzeit beschäftige ich mich als Sachverständiger bei mehreren Bauvorhaben mit der Frage, wie Duschwannen beziehungsweise Badewannen an die Abdichtung von häuslichen Bädern anzuschließen sind. Insbesondere beim Geschosswohnungsbau ist dies ein Thema mit viel Gefahrenpotenzial. Die Schnittstellen zwischen den einzelnen Gewerken sind komplex. Obwohl sich verschiedene Normen und Merkblätter mit diesem Thema beschäftigen, ist die Regelung diesbezüglich nicht ganz einfach, da die Merkblätter meist isoliert und unabhängig voneinander betrachtet werden.

Die im Verlauf dieses Artikels genannten Merkblätter sind für Fachleute geschrieben. Durch die Berücksichtigung jeweils nur eines (für das jeweilige Merkblatt relevanten) Gewerks ist eine klare, grundsätzlich gültige Richtlinie jedoch nicht gegeben.

Bei einem Bauvorhaben, zu dem ich als Sachverständiger hinzugezogen wurde, gab es folgende Problemstellung: Kurz nach Abnahme und Inbetriebnahme der Bäder wurden Wasserschäden darin festgestellt. Teilweise tropfte Wasser aus den Bädern in die darunter befindlichen Räume; teilweise verfärbten sich die Fliesenfugen und Wandfliesen und in einigen Fällen konnte Schimmelbefall auf den gegenüberliegenden Wänden festgestellt werden. Bei allen Duschen waren die Wände gefliest und eine Stahlduschwanne eingebaut. Die bauseitige Beauftragung des Sachverständigen sollte Klarheit über die Schadensursache bringen. Bei einem gemeinsamen Ortstermin wurden Bauteilöffnungen vorgenommen.

Es wurde eine Duschsimulation vorgenommen. Hierbei wurden die Anschlussfugen sowie die Eckfugen ca. fünf Minuten mit warmem Wasser beaufschlagt. Die Wandflächen und die Duschtasse wurden anschließend mit einem Gummiabzieher getrocknet. Der Ablauf der Duschwanne wurde ausgebaut und zur Seite geschoben. Durch das Loch in der Duschwanne wurde eine Kamera eingeführt. Auf den Bildern waren Schimmelbildung an der Abdichtung, Korrosion der Wannenträger und Wasserperlen unterhalb der Duschtasse zu erkennen.

Die vom Bauträger angenommene Ursache, dass es sich bei den Wasserperlen um Kondensat handelt, konnte schnell ausgeschlossen werden. Kondensat bildet sich nicht auf der warmen Wannenseite, sondern an kalten Oberflächen. Da die meisten Menschen warm duschen, ist davon auszugehen, dass die Duschwanne eher warm ist. Bei der Duschsimulation wurde warmes Wasser verwendet. Der Ablauf wurde anschließend wieder fachgerecht eingebaut und das Prozedere der Duschsimulation wurde wiederholt, insbesondere wurde die Wannenanschlussfuge mit Wasser beaufschlagt. Danach wurde der Ablauf wieder geöffnet. Es war eindeutig zu erkennen, dass im Bereich des Anschlusses zwischen Duschwanne und Wand Wasser durch feine Risse in der Silikonfuge eindringen konnte. Augenscheinlich konnte eine Bewegung der Duschtasse nicht festgestellt werden. Die Duschtasse wurde ausgebaut, um die Konstruktion sichtbar zu machen.

 

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