Der Krieg in der Ukraine zeigt Deutschlands Abhängigkeit von internationalen Märkten schonungslos auf. Viele Rohstoffe wie Öl und Gas werden mangels relevanter Vorkommen in Deutschland auch weiterhin importiert werden müssen.
Bei anderen Rohstoffen wie zum Beispiel Holz sollte Deutschland die Chance ergreifen, sich ein Stück weit von internationalen Märkten zu emanzipieren. »Im konstruktiven Holzbau dürfte es aller Voraussicht nach erst mal nicht zu größeren Lieferengpässen kommen, da wir dafür überwiegend zentraleuropäisches Holz einsetzen«, erläutert Prof. Hubert Speth, Ambassadeur der Koalition für Holzbau. Allerdings dürfte die Krise relativ schnell den dekorativen und Gebäudeinnenausbau mit Holz beeinträchtigen, da hier häufig aus Russland importiertes Sperrholz eingesetzt wird.
Im Baubereich hingegen könnte wahrscheinlich der Betonbau erstmals größere Versorgungsschwierigkeiten als der Holzbau bekommen, da der Nachschub an Schalungsträgern und Schalungsplatten schwieriger werden dürfte. Problematisch dürfte es mit der Versorgung von nordischem Holz im Holzfassaden- sowie im Terrassenbereich werden. Die Sibirische Lärche ist als Terrassendiele mit hoher Witterungsbeständigkeit allein quantitativ kaum zu ersetzen.
Schließlich dürfte der gesamte Innenausbau, vor allem im Fußbodenbereich, Probleme bekommen, denn bei der Parkettherstellung fehlt nicht nur das Trägermaterial aus Sperrholz, sondern vor allem auch das Deckmaterial aus Laubholz, das wir in der Vergangenheit nahezu zur Hälfte aus der Ukraine importiert haben.
»Unser Waldvorrat in Deutschland ist mit 3,4 Milliarden Festmetern einer der größten in Europa und noch haben wir genügend Nadelholz in unseren Wäldern, das wir für den konstruktiven Holzbau verwenden dürfen. Jedoch kann es auch hier ziemlich schnell zu einem sich zuspitzenden Mangel kommen, wenn uns der Klimawandel weitere Dürrejahre beschert«, so Prof. Hubert Speth. »Wir müssen daher schnell handeln, um das in unseren Wäldern vorhandene Laubholz in den konstruktiven Holzbau zu integrieren, anstatt es zum Großteil zu verbrennen.«
Deshalb fordert die KOALITION für HOLZBAU, die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Rohstoffsicherungsstrategie zügig umzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Baustoffen ist der CO2-Abdruck des Holzbaus gering, erst am Ende des mehrstufigen Lebenszyklus wird CO2 freigesetzt. Der Holzbau bietet hier Antworten auf verschiedene aktuelle Herausforderungen: »Holz ist einer der wenigen Rohstoffe, die wir in Deutschland haben, und die in der Holzbauweise errichteten Gebäude sind über ihren kompletten Lebenszyklus als nachhaltig anzusehen«, fasst Speth die Vorteile zusammen.
Über die Koalition für Holzbau
Die Koalition für Holzbau ist bei der DAPB – Deutsche Agentur für Politikberatung organisatorisch angesiedelt. Die DAPB als Initialgeber lenkt und koordiniert die Aktivitäten der Ambassadeure und Partnerunternehmen der Koalition für Holzbau. Ansprechpartner ist dort Sun Jensch. Sie baut somit die Brücke zwischen Politik und Wirtschaft – in beide Richtungen. Die DAPB hat sich zum Ziel gesetzt, den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu begleiten.