Architektenvertrag: Pflichten gegenüber dem Bauherrn im Zusammenhang mit herabfallendem Deckenputz

Leitsatz (Orientierungssatz)

  1. Durch den Architekten ist die Objektbetreuung, vor allem die Objektbegehung vor Ablauf der Gewährleistungsfrist sorgfältig vorzunehmen. Vorliegend bestand aufgrund mehrfachen Herabfallens von Teilen des Deckenputzes die Pflicht der Beklagten, die Bauherrschaft (Schulträger) über die (bekannten) Mängel zu informieren, die (ungeklärte) Ursache anzusprechen und zu offenbaren und Abhilfemöglichkeiten (Klärung durch Sachverständigen) fachkundig anzuraten.
  2. Kennt die Bauherrschaft wie hier die eingetretenen Mängel, die Unklarheit der Schadensursache und den möglichen praktikablen Weg der sachverständigen Abklärung, bedarf sie einer entsprechenden - erneuten - Aufklärung durch die objektbetreuenden Architekten nicht.

Aus den Gründen

Die Objektbetreuung, vor allem die Objektbegehung vor Ablauf der Gewährleistungsfrist ist durch den Architekten sorgfältig vorzunehmen. Nähere Untersuchungen sind gegebenenfalls durch Einschaltung von Sachverständigen zu veranlassen, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass Mängel vorhanden sind, dies jedoch bei der Besichtigung allein noch nicht abschließend beurteilt werden kann (auf diese Objektbetreuungspflichten eingehend OLG Braunschweig, Baurecht 2017, 905 - 909; Korbion/Mantscheff/Vygen, HOAI, 9. Aufl., § 34, Rn. 333 ff. - mit zahlreichen weiteren Nachweisen). Diesen Pflichten sind die Beklagten sicherlich allein durch die Anordnung der Klopfproben (gerichtet auf Erkundung von Hohlstellen) nicht nachgekommen. Insoweit bestand durchaus eine Pflicht der Beklagten, die unklare Ursache für das mehrfache Herabfallen von Teilen des Deckenputzes weiter abzuklären. Dass dies im vorliegenden Fall wegen des Betriebs einer Schule in Koordination mit dem Schulträger (Bauherrschaft) zu erfolgen hatte, ist offensichtlich. Insoweit bestand hier eine konkretisierte Pflicht dahingehend, die Bauherrschaft über die (bekannten) Mängel zu informieren, die (ungeklärte) Ursache anzusprechen und zu offenbaren und Abhilfemöglichkeiten (Klärung durch Sachverständigen) fachkundig anzuraten.

Sofern der objektbetreuende Architekt diesen Pflichten nachkommt, liegt eine Grundlage für eine Schadensersatzforderung der Bauherrschaft nicht vor. Gleichfalls liegt zur Überzeugung des Senats keine Pflichtverletzung in den Fällen vor, in denen die Bauherrschaft in vollem Umfang über die oben angesprochenen Punkte bereits informiert ist. Kennt sie die eingetretenen Mängel, die Unklarheit der Schadensursache und den möglichen, praktikablen Weg der sachverständigen Abklärung, so bedarf sie einer entsprechenden - erneuten - Aufklärung durch die objektbetreuenden Architekten nicht. Die Forderung einer erneuten Darlegung und Aufklärung wäre reine Förmelei und infolge des Kenntnisstandes der Bauherrschaft auch überflüssig. Eine Pflichtverletzung kann demnach nicht darin gesehen werden, dass unmittelbar vor Ablauf der Gewährleistungsfrist nicht nochmals, erneut auf die bestehende Problematik hinsichtlich Mängel, Mängelursache und Feststellung derselben hingewiesen wird.

OLG Koblenz, Urteil vom 12.04.2018, Az. 1 U 108/17

27.07.2018


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