VPB: Sonnenschutz von Anfang an mit einplanen

Kein Haus ohne Pläne. Und zu jeder Planung gehört der sogenannte sommerliche Wärmeschutz. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt ihn seit 2013 verbindlich vor. „Die meisten Bauherren kennen den Begriff allerdings gar nicht“, beobachtet Volker Wittmann, Bausachverständiger beim Verband Privater Bauherren (VPB) und Leiter des VPB-Büros Regensburg.

„In rund der Hälfte aller Fälle fehlt bei der Planung dann der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes. Und das, obwohl der Nachweis beim Neubau und größeren Erweiterungen vorgeschrieben ist. Dabei verursacht der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes dem Energieberater in der Regel nur wenig Mehraufwand, weil die erforderlichen Gebäudedaten ja bereits weitgehend für den EnEV-Nachweis erfasst sind.“

„Aber was Bauherren nicht wissen, danach fragen sie natürlich auch nicht“, resümiert Thomas Weber. Der Energieberater und Leiter des Fuldaer VPB- Büros sieht hinter den fehlenden Nachweisen weniger böse Absicht der Baufirmen als vielmehr Unkenntnis. Er weiß außerdem: „Entspricht das Haus der EnEV, mit gut gedämmter außenhaut, und hat es außenliegende Rollläden, dann ist der sommerliche Wärmeschutz meist kein Problem und leicht nachzuweisen.“ Problematisch wird es laut Thomas Weber allerdings bei eingeschossigen und Leichtbauten. „Dort funktioniert nämlich die sogenannte erhöhte Nachtlüftung nicht. Eingeschossige Häuser lassen sich zwar in kühlen Nächten auch querlüften, aber wenn kein Wind weht, klappt der Luftaustausch nicht. Hat das Haus dagegen zwei Etagen, setzt die Thermik, die zwischen den unterschiedlich aufgeheizten Etagen des Hauses entsteht, die Lüftung in Gang.“

Bei der Planung des sommerlichen Wärmeschutzes greifen erfahrene Architekten auf altes Bauwissen zurück: Weit überstehende Dächer oder breite Balkone schützen die dahinterliegenden Räume vor direkter Sonnen- strahlung und halten sie kühl. Dachüberstände sind aber in der aktuellen

Schlüsselfertigarchitektur nicht gefragt. Beliebt sind gerade am Bauhausstil orientierte glatte Würfelformen. „Wer ohne jegliche Dachüber- stände baut, der sollte sich unbedingt Gedanken über den sommerlichen Wärmeschutz machen“, empfiehlt Bausachverständiger Weber.

Effektiven Sonnenschutz bringen Rollos, Jalousien, Markisen, Rollläden wie auch Klapp- und Schiebeläden. Dabei gilt grundsätzlich: außenliegende Beschattungen sind erheblich wirkungsvoller als innenliegende.

Scheint die Sonne wochenlang, so wie in diesem Sommer, ist es irgendwann in allen Räumen heiß. Dann lohnt es sich, auch die internen Wärmequellen im Raum zu reduzieren, also Abwärme von alten Glühlampen und Haustechnik, wie Herd, Kühlschrank, Waschmaschine, Trockner, PC und Fernsehgerät möglichst zu vermeiden. Unentbehrlich wird dann auch das konsequente Stoß- und Querlüften in den kühlen Nachtstunden.

Immer mehr Anhänger finden Klimaanlagen, teils fest installierte, teils mobile Anlagen. Sie brauchen allerdings viel Energie und sind nur wirksam, wenn sie die feuchte Warmluft auch zuverlässig aus dem Haus befördern. Wer einfach nur den Schlauch durchs offene Fenster hängt, der vergeudet Energie und bekommt den Raum dennoch nicht kühl. Erstaunlich gut funktio- nieren Ventilatoren. Sie setzen die Luft im Raum in Bewegung und sorgen dadurch für gefühlte Abkühlung. Selten in Deutschland, aber beliebt in tropischen Ländern sind Deckenventilatoren.

Ziel des sommerlichen Wärmeschutzes ist es, Wohnräume behaglich zu temperieren. Stromintensive Klimaanlagen sollten dazu nicht verwendet werden. Der sommerliche Wärmeschutz ist in der EnEV vorgeschrieben und wird nach DIN 4108-2 geplant. Wer neu baut, der sollte das Thema mit seinem unabhängigen Sachverständigen besprechen. Sonnenschutz ist, recht- zeitig geplant, kein teures Hexenwerk, dafür aber in heißen Wochen eine Wohltat.

Weitere Informationen beim Verband Privater Bauherren (VPB) e.V., Bundesbüro, Chausseestraße 8, 10115 Berlin, Telefon 030 2789010, Fax: 030 27890111, E-Mail: info@vpb.de, Internet: www.vpb.de.

06.08.2015


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